Jugendliche

Hauptsache laut!

Hörprobleme? Für mich kein Thema mehr

Olli K. (16) aus Hamburg ist cool. Cooler als Olli kann man kaum sein. Und damit das so bleibt, pflegt Olli bestimmte Gewohnheiten. Er hört feinste Techno-Musik mit dem Walkman immer so laut, dass sich die Leute in der U-Bahn regelmäßig über die Lautstärke beschweren. Dazu dreht er den Lautstärkeregler bis zum Anschlag auf. Der Walkman ist das neueste Modell und hat Kopfhörer, die fast im Ohr verschwinden und die Musik direkt in den Gehörgang leiten.

Sobald Olli von der Schule kommt, wird zuhause erst einmal die Stereoanlage aufgerissen, denn ohne Musik geht gar nichts. Mit Musik erledigen sich auch die Hausaufgaben fast von selbst, glaubt Olli. Abends trifft er sich dann mit seinen Freunden, um die neusten Alben anzuhören – auch das mit voller Lautstärke, versteht sich.

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Ja, und am Freitag Abend ist dann Disco angesagt. In der Disco ist es so laut, dass man sich nicht mehr unterhalten kann. Aber das ist auch nicht so wichtig, findet Olli. Denn nur wenn die Musik laut ist, kommt man richtig in Stimmung. Am Samstag Abend geht Olli für gewöhnlich auf ein Konzert und lässt es nochmal richtig krachen. Er sucht sich einen Platz direkt vor den Lautsprechern, um die Beats im Körper zu spüren. Cool!

Jugendliche wie Olli K. sind kein Einzelfall: Viele Eltern können sicherlich von der Begeisterung für laute Musik ihrer Kinder ein Lied singen. Ob dies den Ohren auf Dauer gut tut, scheint dabei die wenigsten Jugendlichen zu interessieren – wer denkt schon gern an mögliche Leiden im Alter? Doch Vorsicht: Schwerhörigkeit ist längst keine Frage des Alters mehr! Vielmehr werden Menschen, die Hörprobleme haben, immer jünger.

In unserer lauten Gesellschaft sind Prävention und Gehörschutz wichtiger denn je. Dabei geht es keineswegs darum, den Kids das Hören lauter Musik mit erhobenem Zeigefinger zu verbieten (was wahrscheinlich eh auf taube Ohren stoßen würde). Viele Jugendliche erleben aber einen Aha-Effekt, wenn ihnen bewusst wird, was schwerhörig sein bedeutet – z.B. auf die Lieblingsmusik zu verzichten und den Disco-Besuch nicht mehr genießen zu können. Und die Vorstellung, dass sich das Pfeifen in den Ohren, das sich für gewöhnlich nach zu lautem, dauerhaftem Musikgenuss einstellt, für immer bleiben könnte, ist auch nicht gerade angenehm - die Rede ist von Tinnitus.

Ein Hörtest beim Hörakustiker gibt Aufschluss darüber, wie gut es um das Hörvermögen bestellt ist und ob das Gehör bereits Schäden davongetragen hat. Einige Akustiker bieten auch die Möglichkeit, die Lautstärke des Walkman in Dezibel zu testen. Nicht selten entspricht diese der Lautstärke eines startenden Flugzeugs – für viele Jugendliche erschreckend und Anreiz genug, leisere Töne anzuschlagen.

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